Kredit oder Factoring, was eignet sich für Unternehmen besser?

Kredit oder Factoring?

Was ist für Unternehmen besser – von der Bank einen Kredit oder Factoring als Finanzierungsform?

Viele Unternehmen wenden sich bei Liquiditätsbedarf zuerst an ihre Hausbank, wo in der Regel das klassische Kredit-Portfolio im Vordergrund steht.

Zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen dient dann oft der Kontokorrentkredit. Das muss nicht unbedingt die bessere Wahl sein. Hier dient vielleicht Factoring, anstelle eines Kredits, zur Liquiditätsverbesserung.

Factoring versus traditionelles Bankdarlehen

Factoring unterscheidt sich in vielerlei Hinsicht von einem klassischen Firmenkredit oder einer Kreditlinie:

​Factoring​Bankkredit
​Der Geldbetrag, den Sie finanzieren können, wächst mit Ihren Forderungen.​Das Geld, das Sie ausleihen, ist mit einer Obergrenze oder einem Limit verbunden.
​Factoring ist kein Darlehen. Sie müssen keine Schulden machen.​Sie zahlen Kapital und Zinsen für Ihr Darlehen zurück.
​Die meisten Faktoren beim Factoring hängen mehr mit der Kreditstärke Ihrer Kunden zusammen.​Um sich für ein Darlehen zu qualifizieren, muss die Bank Ihre Finanzen, Vermögenswerte und Verbindlichkeiten Ihres Unternehmens sowie die Bonität überprüfen.
​Auszahlung kann innerhalb von 24 Stunden erfolgen.​Ein Genehmigungsverfahren eines Kredits oder einer Kreditlinie dauert zwischen einem und zwei Monaten. Sobald Ihr Darlehen genehmigt wurde, haben Sie sofort Zugriff auf diese Geldmittel.
​Minimaler Papierkram und Dokumentation sind erforderlich, um mit dem Factoring zu beginnen.​Umfangreiche Unterlagen, Finanzberichte und persönliche Informationen sind erforderlich.
​Einige Faktoren ​bieten zusätzliche Back-Office-Services.​Es werden keine Forderungen oder Backoffice-Dienstleistungen erbracht.
​Die Gebühren können angepasst werden, wenn Sie mehr Geld durch Factoring finanzieren.​Ihr Zinsatz ist festgeschrieben und für die Laufzeit des Darlehens gebunden.
​Factoring-Unternehmen liefern Kreditauskünfte und andere Informationen zu Ihren bestehenden und potenziellen Kunden.​Es werden keine ​Dienstleistungen angeboten, d.h. Sie verwalten Ihre eigene Kreditpolitik.

Kredit oder Factoring – ein Beispiel aus der Praxis

Ein mittelständischer Betrieb, aus dem verarbeitenden Gewerbe, generiert einen Jahresumsatz von 1,2 Mio. Euro. Die Debitoren zahlen durchschnittlich erst nach 60 Tagen. Außerdem ist aufgrund fehlender liquider Mittel ein Einkauf mit Skonti nicht möglich. Das Unternehmen muss somit kontinuierlich Außenstände in Höhe von rund 200.000 Euro finanzieren.

Wird dafür Eigenkapital eingesetzt, fehlt es schnell an anderer Stelle. Die Hausbank lässt sich in der Regel die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen als Sicherheit abtreten. Es wird ein pauschaler Bewertungsabschlag vorgenommen und gegen Gewährung zusätzlicher Sicherheiten eine Kreditlinie von rund 50.000 Euro eingeräumt. Dem Unternehmen bleibt somit eine Finanzierungslücke von mehr als 150.000 Euro.

Im Vergleich dazu prüft der Factoring-Anbieter vor Vertragsabschluss das Unternehmen und informiert sich ausführlich über Geschäftsmodell, Kundenstruktur, Liefer- und Zahlungsbedingungen sowie andere Leistungsparameter. Mit dem Abschluss des Factoringvertrags dient der Anschlusskunde seinen Forderungsbestand von 200.000 Euro zum Ankauf an. Nach erfolgter Bonitätsprüfung der einzelnen Debitoren kann erfahrungsgemäß eine Ankaufquote von 80 – 95 Prozent des Forderungsbestandes dargestellt werden.Damit fließt dem Unternehmen sofortige Liquidität in Höhe von ca. 160.000 – 180.000 Euro zu. Die einbehaltenen Anteile des Kaufpreises werden nach Zahlungseingang der Debitoren abzüglich Gebühren überwiesen.

Was spricht für Factoring?

Der entscheidende Vorteil von Factoring zur Beschaffung von Liquidität gegenüber der Kreditfinanzierung wird sehr deutlich.

Für ein Unternehmen werden rund 80 bis 90 Prozent des Umsatzes sofort zu Barliquidität, während eine Kreditaufnahme zusätzliche Sicherheiten bedingt und nur einen geringen Liquiditätszufluss ergeben würde.

Vor allem für KMUs hat Factoring noch weiteren Nutzen. Durch den Forderungsverkauf kann der Factoringkunde eine Bilanzverkürzung mit verbesserter Eigenkapitalquote erreichen. Bei der Hausbank lassen sich so ein besseres Rating und damit günstigere Kreditkonditionen erzielen.

Nicht zu unterschätzen ist darüber hinaus die administrative Entlastung, da bei säumigen Debitoren die aufwendige Tätigkeit von Mahnwesen und Inkasso übernommen wird. Zusätzlich ist der Factoringkunde gegen einen möglichen Forderungsausfall seiner Debitoren abgesichert.

Was ist ein Kontokorrentkredit?

Der Kontokorrentkredit ist ein kurzfristiger Kredit, den Banken ihren Kunden ein- räumen. Firmen nutzen diesen, wenn sie für einen überschaubaren Zeitraum Liquidität benötigen (z.B. Betriebsmittelkredit, Saisonkredit, Überbrückungskredit).

In der Regel wird für die Dauer von 90 Tagen eine Höchstgrenze der Inanspruchnahme vereinbart. Kontokorrentkredite haben jedoch mittel- bis langfristigen Charakter, da sie bei vereinbarungsgemäßer Inanspruchnahme verlängert werden.

Der Unternehmer kann den Kreditrahmen entweder voll, zum Teil oder gar nicht ausschöpfen und zahlt nur für wirklich in beanspruchte Beträge Zinsen. Der Zinssatz ist variabel und richtet sich nach den aktuellen Marktzinsen.

Kosten des Kontokorrentkredits

Bei einer Inanspruchnahme sollte der Unternehmer die Kosten im Vergleich zu anderen Finanzierungsalternativen kennen und die einzelnen Gebührenbestandteile genau prüfen.

Sollzinsen, die auf den genommenen Kreditbetrag berechnet werden und wegen der täglichen Fälligkeit des Kredits zum einen vergleichsweise hoch sind und zum anderen dem Marktzinsniveau entsprechend angepasst werden.

Kreditprovision als Entgelt für die notwendige Liquidität der Bank infolge des täglichen möglichen Abrufs durch den Unternehmer, als Aufschlag auf die Sollzinsen oder in Form der Bereitstellungsprovision in Abhängigkeit vom nicht in genommenen Kreditbetrag.

Überziehungsprovisionen für die Inanspruchnahme über das vereinbarte Kreditlimit hinaus. Kontoführungsgebühren und Barauslagen, die als Entgelt für die mit der Kontoführung verbundenen Grundleistungen erhoben werden und die Zurverfügungstellung der bankentechnischen Einrichtungen sowie die Zusendung von Kontoauszügen.